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Zum Thema "Beinamen"

Über die so genannten "Beinamen" des Adels im Königlichen Preußen 1569 bis 1772

von Hans Harry v. Chamier Gliszczynski (verfaßt vor 1952), mit Ergänzungen von Gerhard v. Pazatka Lipinski


Betrachtet man die Familiennamen des Adels im Königlichen Preußen (wozu auch die Lande Lauenburg und Bütow gehören, nur waren diese ein Pfandlehen an die "Greifen" in Westpommern), so kann man etwa an der Kriegssteuerliste ("Poborliste") von 1570 feststellen, daß diese kaum noch Familiennamen enthielt, die aus zwei Wörtern bestanden. Wie den damit befassten Historikern bekannt, bezeichnen die Deutschen meist die aus zwei Wörtern bestehenden Adelsnamen als Familiennamen und Beinamen. Die Polen sprechen hier von "nazwisko" und "przydomek", meinen aber, unsere Beinamen seien die Familiennamen und die alten Familiennamen seien nur "Beinamen" oder "przydomki". Die "Beinamen" entstanden etwa ab 1569 (in Lauenburg und Bütow ab 1637). So entstanden beispielsweise solche Familiennamen wie Kosak Główczewski, Zdun Tempski, oder Wantoch Rekowski (männlich) - (weiblich Rekowskowa, sächlich Rekowie, Plural Rekowscy, ledige Frauen Rekowna).

Die Stellung der Wörter zueinander ist verschieden. Eines der Wörter ist der alte Familienname. Das andere Wort, in polnisch adjektivischer Form ist fast immer von einem Ortsnamen abgeleitet.

Untersucht man diese Adjectiva auf darin enthaltene Ortsnamen, so kann man feststellen, daß die Orte alle im "Königlichen Preußen" lagen und um 1570 (bzw. 1637) den Familien gehörten, die als anderes Wort den zugehörigen Familiennamen trugen. Eine solche Familie wohnte, auch wenn sie noch weitere Güter besaß, damals in dem genannten Ort. Da die Bezeichnung des zweiten Wortes als "Beiname" nichts Wesentliches aussagt, bezeichne ich dieses Wort als "Wohngutname" und schlage der Allgemeinheit vor, es ebenso zu bezeichnen. Der alte Familienname ist entweder unverändert oder aus Aussprachegründen verändert bzw. übersetzt worden. Beispiele:

Wantoch - (einst möglicherweise van Toch)
Korzbok - (einst Kurzbach)
Chamier - (einst möglicherweise Hameren)
Młotki - (= Hameren).

Wann und warum kamen zu den alten Familiennamen als zweite Wörter die Wohngutnamen dazu? Die Literatur gibt selten eine befriedigende Erklärung und Urkunden, die diese Entwicklung aufzeigen, gibt es wohl nicht. Nach meinen Untersuchungen darüber geschah das in den meisten Fällen, als nach dem Lubliner Decret vom 18.3.1569 die Bewohner des "Königlichen Preußen" polnische Untertanen wurden. Den Polen waren die alten Familiennamen der neuen Untertanen, die meist außerhalb der polnischen Landesgrenzen entstanden waren und sich oft auf Orte bezogen, die nicht im damaligen Polen lagen, unbekannt. Die betreffenden Familien wären daher nicht anerkannt, sondern als Ausländer behandelt worden und hätten Besitz und Rechte verloren.

Daher verabredete, wie man annehmen muss, der davon betroffene Adel, daß man nunmehr seinem alten Familiennamen den Wohngutnamen beifügen müsse, um sofort als Inländer erkannt zu werden, was später der Adel der Lande Lauenburg und Bütow ebenfalls tat. Einige Familien legten allerdings den Wohngutnamen nach 1658 wieder ab, als Lauenburg und Bütow an Brandenburg verliehen wurden. Die Mehrzahl aber behielt bis heute ihre Wohngutnamen bei. Zweige einer Familie, die um 1570 (1637) verschiedene Wohngüter besaßen, nahmen damals verschiedene Wohngutnamen an. Beispiele:

Wnuk Lipiński,
Wnuk Ciemiński,
Chamier Gliszczyński,
Chamier Ciemiński,
Chamier Trzebiatkowki usw.

Diese Familiennamen bestehen zwar aus zwei Wörtern, sind aber keine Doppelnamen! Doppelnamen sind nämlich so definiert: Sie bestehen entweder aus zwei unveränderten, selbständigen Familiennamen oder aus einem unveränderten, selbständigen Familiennamen und einem unveränderten. selbständigen Ortsnamen und müssen mit einem Bindestrich verbunden werden (zum Beispiel Eisenhart-Rothe, Bismarck-Schönhausen). Die hier in Rede stehenden Familiennamen, die aus zwei Wörtern bestehen, können überdies schon keine Doppelnamen sein, weil hier eines der Wörter (nach polnischer Orthographie) ein Adjektiv ist. Diese schreibt man richtig ohne Bindestrich (wie es auch die alten Kirchenbücher vor 1800 ausweisen). Die Familiennamen selbst sind adlig.

Weder das aus dem Wikingischen kommende ski oder cki ist ein Adelspartikel, noch das deutsche von bzw. v. Letzteres ist noch sehr jung. Man schrieb vorher "nobilis/Vomame/Nachname". Um 1800 wurden die Kirchenbuchführer angewiesen, statt "nobilis" künftig "von" zu schreiben. Leider wurde nicht angegeben, wohin das Wort "von" zu schreiben sei. Gemeint war, es sollte vor den Familiennamen gestellt werden. Man kann in den Kirchenbüchern verfolgen, wohin die Unsicherheit der Eintragenden führte. So schrieb man zum Beispiel: "Wnuk von Lipinski" oder "von Wnuk Lipinski" oder nur "Wnuk" oder nur "Lipinski". Richtig ist nur "von Wnuk Lipinski". Alles andere ist falsch. Bei anderen derartigen Namen wurde genau so verfahren. Das "von" muss hier stets vor dem Familiennamen stehen. Die Königlichen Cabinettsordres vom 30.10.1816 und 15.4.1822 führten dazu, dass die falschen Namensbildungen in den Kirchenbüchern festgeschrieben wurden. Es wäre gut, wenn alle, die auf diese Weise eine falsch gebildete Namensform tragen, dies berichtigen ließen.

Auch die Wappen dieser Familien weisen Besonderheiten auf. Sie haben als Wappenbilder oft sechsstrahlige goldene Sterne und Halbmonde. Das Wappenfeld ist vielfach türkisfarben (blau). Die Wappen dürften wohl alle erst um 1466 entstanden sein. Meist verdrängen sie sogar ältere Wappen. Was hat es nun mit ihnen auf sich und was ist die Besonderheit?

König Kasimir IV. zeichnete in oder nach dem dreizehnjährigen Kriege (1453-1466) verdiente Mitkämpfer mit Sternen im Wappen aus. Als Beweis dafür hat sich eine Urkunde erhalten, die nur sechs Tage nach dem zweiten Thorner Frieden am 25.10.1466 in Danzig ausgestellt wurde. In ihr heißt es:

"In nomine domini amen. Ad perpetuam rei memoriam. Nos Casimirus (IV.) Dei gratia rex Poloniae, magnus dux Lithuwiae, Prussiae, Masowieae… haben für gut und richtig befunden, in Übereinstimmung mit unseren anwesenden weisen Räten, den tapferen "militibus" und ehrenwerten und getreuen Gefolgsmännern Petro de Witzke und seinem Sohn Witko de Witzke, die durch Tapferkeit in den langen und entbehrungsreichen Kriegsjahren uns zum Siege über die Kreuzritter und zum Frieden von Thorn (1466) verholfen haben und von uns dafür mit den Sternen im Schilde beliehen worden sind, die Urkunde über die Privilegien für den Ort Witzke, die ihren Vorfahren von unseren Vorfahren und Vorgängern ausgestellt worden sind, zu bestätigen, die lauten: "In godes namen amen. Wir brudir pauwel von Rusdorff des Ordens der brudir…" (es folgt der Wortlaut der Lehensurkunde über Witzke vom 13.2.1426 für Franz von Witzke mit der Einschränkung, mit voller Rüstung, mit einem gepanzerten und tauglichen Pferde und zwei weiteren Reitern und Pferden statt dem Orden, dem Könige von Polen zu dienen). "Datum in nostro oppido regio Gedanense die sexta ante festum omnium sanctorum et sexta post pace Thorunense" (Geschehen in unserer königlichen Stadt Danzig am sechsten Tage vor Allerheiligen und am sechsten Tage nach dem Frieden von Thron).
Die Kanzleiabschrift, mit Transsumpt des Lehensbriefes von 1426, befand sich (vor 1945) im Archiwum Główne – Kronmetrik – vol. 42, Warszawa.

Das in der Urkunde genannte Wappen "Księżyc i gwiazdy" (das heißt Halbmond und Sterne), "Księżyc" (Halbmond) oder "Trzy gwiazdy" (drei Sterne) führen (laut Emilian v. Żernicki Szeliga) folgende ostpommersche Adelsfamilien:

Aubracht (richtig wohl Albrecht) von dem Borne
Brychta (Polpancke)
Buchon (Gliszczyński)
(Chamier) Ciermiński
Czirson (Studzieński)
Dąbrowski
Domaros (Canecki)
Dullak (Węsierski)
Eichholtz Jablonski
Jutrzenka (Trzebiatkowski)
(Chamier) Gliszczyński
(Skora) Gostkowski
Ines (Maciszewski)
(Essen) Kistowski
Kuyk (Studzieński)
(Wnuk) (Janta) (Rymon) Lipiński
Mach
(Korbuth) Miszewski
Mroczek (= Mrozik) (Gliszczyński)
Pluta Prądzyński
(Wantoch) (Wrycz) (Styp) Rekowski
(Paszki) Slużewski
Syze
(Zmuda) (Młotk) Trzebiatkowski
Wussow
(Witzke) Wiecki.

Wie man sieht, ist dies Wappen ein ostpommersches, das seinen Ursprung in der geschichtlichen Entwicklung dieses Herzogtums hat und an dessen Stiftung sowohl die polnische, als auch die deutsche Krone ihren Anteil hatte. Es ist also kein rein polnisches Wappen!

Verschiedene Historiker behaupten, der goldene Halbmond sei erst nach den Schlachten gegen die Türken bei Cecora (1629) und Choczim (1621), an denen diese Familien sich beteiligten, von Kaiser Leopold I. oder König Sigismund III. von Polen diesen verliehen worden, wofür mir der Beweis aber fehlt. Auch die Lage des Halbmondes in den Wappen soll anzeigen, ob der Empfänger der Auszeichnung in einer unentschiedenen (ein senkrecht stehender Halbmond), in einer verlorenen (ein waagerecht nach unten weisender Halbmond) oder in einer gewonnenen (ein nach oben gekehrter Halbmond) Schlacht gekämpft hatte. Auch dafür fehlen bisher noch Beweise. Die Nachkommen wissen vielfach nichts darüber oder welcher Ahn einst begann, das Wappen zu führen.