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Tietzow

Das Gut Tietzow, Kreis Tychow (Pommern)

(Wilfried v. Rekowski, 2009)


In alten Tagen hatten wir Namensverwandte Wrycz-Rekowsky in Hinterpommern, die das Gut in Tietzow bei Tychow besaßen. Diese Familie stammte wie die übrigen Familienzweige aus Rekow (Kreis Bütow, Pommern). Der letzte Besitzer von Tietzow ar Franz v. Wrycz-Rekowsky (1869-1938).

Mein Vater war mit ihm eng verbunden und traf sich häufig mit ihm. Meine Eltern fuhren mit uns Kindern im Sommer 1929 und 1930 an die Ostsee von Sürchen (Schlesien) aus und zwar nach Horst und Kolberg, und bei der Gelegenheit besuchte uns Onkel Franz. Ich erinnere ihn noch, einige Jahre älter als mein Vater, hochgewachsen, mit mächtigem Schädel. Er war bekannt als fähiger und tüchtiger Landwirt. Nach seinem Studium hatte er das Gut in Tietzow von einer Familie v. Alten, ca. 3000 Morgen groß, gepachtet.

Im Jahre 1904 heiratete Onkel Franz Elfriede Schulz aus Hameln, die bei Altens Gesellschafterin gewesen war. Mit ihrer finanziellen Hilfe kaufte er das ziemlich heruntergewirtschaftete Gut in Tietzow und es gelang ihm mit seiner tüchtigen Fra, den Betrieb wieder aufzubauen und rentabel zu gestalten.

Zusammen mit meinem Vater gründete Onkel Franz 1931 den Rekowski'schen Familienverband und förderte ihn als Familienchef mit Rat und Tat.

Im Jahre 1938 verstarb Onkel Franz ganz plötzlich an einer Lungenentzündung, war ein sehr harter Schlag für seine Frau, Tante Friedel, war. Sie wählte eine besonders schön gelegene Stelle in Waldesnähe für sein Grab aus und ließ neben der Grabstelle ein großes Birkenstammkreuz errichten.

Als meine Großmutter in Sürchen im Juni 1939 gestorben war, ein großer Verlust für mich, beschlossen meine Eltern, mich zu einem längeren Sommerbesuch nach Tietzow mitzunehmen. Sie wollten mich ablenken und gedachten der Patenschaft, die Onkel Franz bei meiner Taufe übernommen hatte.

Im Juli 1939 fuhren wir also mit der Bahn nach Pommern mit Umsteigen in Stettin. Dort waren bereits zu Gast die Schwester von Tante Friedel aus Hameln, Tante Thea, ehemalige Diakonisse, und die beiden Neffen Rekowski (Paul und Martin) aus Breslau, mit denen ich mich rasch anfreundete. Wir schlossen uns bald dem Förster an und versuchten, an den weit verzweigten Seen des Gutes Enten zu jagen. Mit den Eltern bin ich häufig spazieren gegangen in dem schön angelegten Part mit seinen Alleen. Meine Mutter fertigte, wie immer auf Reisen, hübsche und erinnerungsvolle Aquarelle an. Mal fuhren meine Eltern mit mir in das kleine Städtchen Bad Polzin. Ich habe mich in Tietzow sehr wohl gefühlt und die weit hingestreckte, abgelegene Landschaft gerne gemocht.

Zurück in Sürchen bin ich einige Tage später nach Losswitz an die Bahn gegangen, um den nach Breslau zurückkehrenden Vettern im durchfahrenden Zuge zuzuwinken. Beide Vettern, Martin in meinem Alter und Paul etwas älter, sind im Krieg geblieben - Paul ist in russischer Gefangenschaft umgekommen. Der älteste Bruder Georg, der Tietzow einmal erben sollte, ist in den ersten Kriegsjahren als Leutnant gefallen. Die Schwester Magdalene, die letzte der Familie, ist im Juni 2009 im Altersheim in Landau (Pfalz) eingegangen.

Ende 1945 schrieb Tante Friedel, die ich sehr schätzen gelernt hatte, an meine Mutter:
"Über Abgründen reichen wir uns wieder die Hand ..., ach Hildegard, unsere Welt ist zerstört, eine ganze Kulturepoche ausgelöscht. Unser armer Osten. Mein Haus und Hof sind durch Feuer zerstört, das lebende und tote Inventar nahm der Russe, den besten Acker der Pole, Ich habe in den Monaten bei meinen Leuten im Dorf gewohnt, vom März, als Tietzow in Flammen aufging, bis Anfang November. Durch zurückkehrende Volkssturmmänner erfuhr ich ,dass hier in Hameln meine Schwester am Leben und das Haus heil geblieben ist. Da hielt mich nichts mehr. Die Fahrt war grausig, hat fast 3 Wochen gedauert, ausgeplündert bis zum Letzten...".

http://de.wikipedia.org/wiki/Tyczewo

http://www.belgard.org/Ortsgesch/Tietzow.htm