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Ursprung der Rekowski

Der Ursprung der Rekowski (Wilhelm v. W.-Rekowski)

Beitrag aus "Mitteilungen des Familienverbandes derer v. Rekowski (v. Rekowsky), Heft 2, 1934

(Anmerkung: Dieser Beitrag ist aus dem historischen Kontext heraus zu betrachten!)


Sooft ich nach meiner Heimat gefragt wurde und als solche Pommern nannte, bemerkte der Frager mit erstauntem Gesicht: ,,Aber Sie haben doch einen polnischen Namen!" Da ich bei meinen Landsleuten, namentlich im Westen, auf eine fabelhafte Unkenntnis der eigenen, insbesondere der ostdeutschen Geschichte, gestoßen bin, habe ich das Gespräch meist kurz abgebrochen, zumal ich gar keine Lust verspürte, Ignoranten gegenüber meinen guten, angeblich,, polnischen" Namen quasi zu rechtfertigen!

Man sagt, Friedrich der Große habe seinen Offizieren, soweit sie polnisch klingende Namen trugen, nahegelegt, diese zu verdeutschen, weil er eine Abneigung gegen sie gehabt hätte. Ich habe nicht nachprüfen können, ob dieser Zug des großen Königs geschichtlich verbürgt ist. Tatsächlich müssen diesem "Wink von oben" einige Familien gefolgt sein, denn wir finden Namen, wie v. Sandes und v. Hauffe, die weiter nichts als die Übersetzungen der ursprünglichen Namen Piaskowski und Gromadczinski sind. Noch in jüngster Vorkriegszeit ließen die Radolinski das ski weg und nannten sich Radolin, wodurch der Name auch nicht gerade deutscher klingt. Wie dem auch sei, wir Rekowski haben eigensinnig, wie wir nun einmal sind, es abgelehnt, auch nur einen i-Punkt unseres in der Militärgeschichte Preußens ehrenvoll geführten Namens zu opfern!

Für den Geschichtsforscher erhebt sich aber die Frage, welchem Volke (...) gehören die Träger dieses "polnisch klingenden" Namens an. Dass diese Frage nicht ganz einfach liegt, geht schon daraus hervor, dass schon früher, aber auch in jüngster Zeit, eine ziemlich umfangreiche Literatur über unsere ostpommersche Heimat entstanden ist. Anlass hierzu gab wohl einerseits das Bestreben, die allgemeine Unkenntnis über unsere östlichen Lande und ihre Einwohner zu beseitigen und andererseits den Ansprüchen von polnischer Seite auf weiteres deutsches Land entgegenzutreten. Was kann man aber vom Ausländer verlangen, wenn der Deutsche selber nicht einmal in seiner engeren Heimatgeschichte Bescheid weiß! Ich erinnere mich hierbei eines Falles, daß eine Frau von X in Gesellschaft allen Ernstes behauptete, die Chamiers (sie sprach den Namen französisch aus) seien französische Emigranten! Ebenso schlimm und beinahe noch unverzeihlicher ist das Märchen, die Yorks seien mit den englischen Herzögen von Jork, Earls of Hardwicke, eines Namens und Stammes.

Nun muss man ja zugeben, daß die Eigentümlichkeit der adligen Namen unserer engeren Heimat (Pommerellen) zu allerhand gewagten Thesen einen Anlass zu geben geeignet ist. Hatten rein slawische Namen, wie Haugwitz, Köckritz, Lüttwitz, Itzenplitz, Glaubitz, Krockow, Bülow, Lettow usw. bereits einen deutschen Gefühlswert im Laufe der Jahrhunderte erlangt, so stutzte man unwillkürlich vor Namen wie Wantoch, Wrycz, Wnuck, Janta, Zuchta, Spot, Chinow, Chamier, Depka, Grabia usw. Benno von Winkler (,,Die Nationalitäten Pommerellens" S. 32 ff.) vermutet, es handele sich um keltische Namen, weil sie eine gewisse Ähnlichkeit mit solchen hätten. Jedenfalls muteten sie sowohl den Polen bei der Besitzergreifung im Jahre 1638 als auch den preußischen Beamten nach der Einverleibung unserer Heimat fremdartig an. Erstere zwangen daher den Adel, sich polnischer Sitte gemäß nach dem Grundbesitz zu nennen, also Rekowski nach Reckow, Gustkowski nach Gustkow, Glyczinski nach Glissen, Trczebiatowski nach Trczebiatkow usw. Letztere haben diese Sitte übernommen, so daß die eigentlichen Familiennamen allmählich aus den öffentlichen Urkunden verschwanden und nur noch die Gutsnamen übrigblieben. Ein pommerellischer Landpfarrer, mit dem ich mich einmal über diese Frage unterhielt, meinte, es handele sich um Spitznamen, z. B. bedeute Wantoch auf kassubisch der Schmerbauch (also die slawische Form des deutschen Namens Breitenbauch!?); ebenso bedeute der Name Wrycz: "der Schreier" usw. Ich halte diese Theorie für gewagt und kann mir nicht denken, daß alte Familien sich ausgerechnet Spitz- oder Spottnamen als Familiennamen zulegen.

Was uns Rekowski und unsere verschiedenen Beinamen anlangt, so vermute ich, dass es sich um slawisch verstümmelte, weil nicht verstandene. Ruf- (Vor-)Namen einer ursprünglich nicht slawisch sprechenden Volks handelt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Pommer geneigt ist, mehrsilbige Namen in einsilbige zusammenzuziehen, z. B. Bernhard in Bernd, Gerhard in Gerd. Ein ähnlicher Vorgang könnte auch bei den Familiennamen der Rekowski vorliegen, indem Wrycz (Fritz) aus Friedrich, Gynz aus Günther, Wantoch (Wentoch) dagegen aus Wend mit angehängter slawischer Silbe och (ock) entstanden sein könnte. Wenn man bedenkt, dass sehr viele Familiennamen, wenn nicht die meisten, aus ehemaligen Vornamen entstanden sind, so hat diese Annahme viel für sich.

Wie dem auch sei, Tatsache bleibt, dass sowohl dem östlichen Nachbarn, dem sog. Hochpolen, als auch dem eingewanderten Westdeutschen das Volk zwischen dem östlichen Teil der pommerschen Seenplatte und der Danziger Niederung, zwischen der See und den Wäldern der Tucheier Heide fremdartig vorkam.

Woher stammt denn nun aber dieses seltsame Volk? Die zünftige Wissenschaft beantwortet diese Frage, indem sie auf die kassubische Sprache hinweist, welche in dieser Gegend bis auf den heutigen Tag gesprochen wird. Es handelt sich aber nicht um einen polnischen Dialekt, wie von polnischer Seite behauptet wird, sondern das Kassubische gehört als Ostpomeranisch zu dem Pomoranischen, das einst in dem ganzen Lande zwischen Weichsel und Oder, zwischen Ostsee und der Linie Netze-Warthe gesprochen wurde. Die Bewohner Pommerellens sind also Kaschuben, d. h. ein slawischer Volksstamm. Sie bilden mit den Polen zusammen heute den lechischen Zweig der Westslawen, zu dem früher noch die jetzt ausgestorbenen slawischen Stämme in Pommern, Mecklenburg, Brandenburg, Holstein und Hannover gehörten, weiter die Lausitzer Sorben und die Tschechen mit den Slowaken (F. Lorentz, Gesch. der Kaschuben. S. 9).

"...Also doch halbe Polen", höre ich den Leser sagen! Mit melancholisch herabhängenden Schnurrbärten, hohen Backenknochen, etwas schlitzäugig, ewig Krakowiak tanzend und Schnaps trinkend, etwa wie man sich die komische Figur des Burschen Katschmarek in den früheren Offiziersanekdoten vorstellte. Denn so und nicht anders stellt sich der Westdeutsche den Slawen vor! Hierbei verfällt man bloß in den kleinen Fehler, dass man ohne weiteres annimmt, hinter ähnlichen Sprachen stünden auch ähnliche Völker. Man beachte, dass F. Lorentz den Bewohnern Pommerellens mit dem Tschechen zusammen nennt, dessen Bild wir oben, etwas übertreibend, zeichneten. Kommt man aber etwa in die Gegend von Bütow, so findet man einen Menschenschlag, der mit dem heutigen stark ostisch durchsetzten Tschechen oder Polen aber auch gar nichts gemein hat. Groß, schlank, helläugig mit blondem oder hellbraunem Haar unterschiedet er sich in nichts von den übrigen Pommern und Ostseebewohnern.

Als die Einwanderung niedersächsischer Familien im 12. Jahrhundert, begünstigt durch die pommerschen Herzöge Bogislaf und Casimir, einsetzt, wurden diese vom einheimischen Adel als fremde Eindringlinge, ja als Feinde, angesehen. Die Art, wie das Christentum in unserer Heimat "durch Furcht, Zwang und allerhand Künste" unter Bischof Otto von Bamberg eingeführt worden war (als erster ließ sich Herzog Wartislaus mit seinen Landständen im Jahre 1128 taufen), war noch in zu frischer Erinnerung. Auch hatte sich der deutsche Kaiser Lothar nicht gescheut, die bereits christianisierten Polen unter Boleslaus zum Einfall in Pommern herbeizurufen, um seinem Bekehrungswerk mehr Nachdruck zu verleihen.

Außerdem wurde der einheimische Adel von seinen eigenen blutsverwandten Herzögen zugunsten der eingewanderten westdeutschen Familien zurückgesetzt. "Die Slaven wurden zu den Bedienungen des Staates vor unfähig erklärt und von den deutschen derartig bedrückt, daß zu ihren Brüdern nach Hinterpommern flüchten mußten." (Dähnert, Bd. II, S. 155)

Dieser Gegensatz zwischen dem eingesessenen (autochthonen) Adel und dem eingewanderten westdeutschen setzte sich später, als unser Land im Jahre 1308 an den Orden fiel, insofern fort, als grundsätzlich kein Mitglied des slawischen Adels in den Orden aufgenommen wurde. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. (...)

In den Wappen des Adels kehren immer wieder die altnordischen Runenzeichen wieder, wie Mond und Stern. Dass der einheimische Adel als Stammesadel bereits lange vor dem Deutschritter-Orden ortsangesessen war, ist bereits angedeutet worden. Bei den Belehnungen durch den Orden handelte es sich auch zumeist nicht um Neubelehnungen, sondern um Bestätigung der alten Gerechtsame oder Umwandlung der Belehnung zu Polnischem Recht in eine solche zu Kulmischem Recht.

Eine Eigentümlichkeit des einheimischen Adels war, dass er über seinen Lehnbesitz frei verfügen und ihn frei vererben konnte, ein Recht, welches der Deutschritter-Orden unangetastet ließ. Hieraus erklärt sich die Zersplitterung des Grundbesitzes und letzten Endes die Verarmung des Landadels. Befördert wurde dieser Prozess noch durch die alte Vorstellung, dass mit dem Grundbesitz auch der Adel verlorenginge, so dass jeder Adlige bestrebt war, ein noch so kleines Grundstück zu besitzen oder wenigstens zu pachten. Im übrigen ist der einheimische Adel unserer Heimat in dem Militär- und Beamtenadel Preußens aufgegangen. Dabei fällt auf, wie viele ausgesprochen preußische Militärfamilien aus unserer engeren Heimat stammen.

Fassen wir also nochmals zusammen: Unsere Heimat wird bewohnt von einer schon vor dem Erscheinen des Deutschritter-Ordens ortsangesessenen, eine slawische Sprache sprechenden Bevölkerung, die auch heute noch vorwiegend die Merkmale des nordischen Volks aufweist. Der Stammesadel, in seinen Wappen altnordische Runen führend, und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur unter sich heiratend (einen Bürgerstand im heutigen Sinne gab es damals in Pommerellen überhaupt nicht), zähe an der Scholle haftend bis zur völligen Verarmung, um dann nach der Angliederung an Preußen in Scharen in die preußische Armee Friedrichs des Großen und seiner Nachfolger einzutreten, um vielfach zu den höchsten militärischen Würden innerhalb ein bis zwei Generationen, also fast ohne Übergang, aufzurücken.

Die Lösung ist, bei dem heutigen Stande der Wissenschaft, unschwer zu finden. Man muss sich von der üblichen Vorstellung frei machen, als wenn die historischen Völkerwanderungen die ersten und einzigen ihrer Art wären. Sie sind, im Gegenteil, nur einige unter vielen, die schon seit grauen Vorzeiten sich vollzogen. Wenn Manfred von Knobeisdorff den Aufbruch seines Geschlechtes aus Thüringen nach dem Osten in so anschaulicher Weise schildert (M. V. Knobelsdorff, Die neuen Aufgaben deutscher Adelsgeschlechter, Dt. Adelsblatt Nr. 30, 22.07.1933, S. 520), so wird sich dieser Vorgang bei den Rekowski und damit für den gesamten pommerellischen Adel, in ähnlicher Weise, bloß viel früher und in umgekehrter Richtung abgespielt haben.

Unsere Vorfahren sind vielleicht als die ersten Wikinger, aus Skandinavien auf dem Wasserwege in der Gegend von Danzig gelandet, zu einer Zeit, als das Indogermanische sich noch nicht in die einzelnen Zweige, wie z. B. Germanisch, Keltisch, Slawisch gespalten hatte und die nordische Runenweisheit noch gemeinsamer, lebendiger Geistesbesitz war, also um die beginnende Metallzeit ca. 2500 v. Chr. Sie sind alsdann die Weichsel aufwärts gewandert, um sich dann, nach Osten wendend und dem Flusslauf des Pripet folgend, endlich nach langer Wanderung am Dnypr, etwa in der Nähe von Kiew, niederzulassen. (...)

Im zweiten nachchristlichen Jahrhundert brach dieses Volk der Urslawen, möglicherweise bedrängt durch innerasiatische Volksstämme oder infolge von Mißernten und Hungersnot, wieder auf und zog in die von ihren Vettern, den Germanen, deren Sprache sie jedoch nicht mehr verstanden, verlassenen Wohnsitze zurück. Hierbei teilten sie sich. Die einen zogen nach Westen bis an die Elbe und die Mark Meißen (Sorben), die anderen südlich nach dem Balkan (Südslawen). Ein dritter Strom ergoß sich nach Nordwesten und besiedelte die gesamte Ostseeküste bis nach Mecklenburg und Holstein (Obotriten), überall selbständige Herzogtümer unter eigenen Stammesfürsten bildend. Zu den letzteren Völkern gehörten unsere Altvorderen, die Pomoranen, von denen wiederum die heute noch Kassubisch sprechenden Einwohner Pommerellens die letzten Überreste sind.